Ein Artikel von Colin Fischer, Physiotherapeut, über die Entstehung von Narben, was sie im Körper bewirken – und warum es sich lohnt, ihnen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Eine Narbe ist der natürliche Abschluss der Wundheilung. Das neugebildete Gewebe dient dabei als Ersatz für geschädigte oder verletzte Haut.
Wie läuft die Wundheilung ab?
Die Wundheilung wird in vier aufeinanderfolgende Phasen unterteilt:
1. Exsudative Phase
Diese Phase beginnt unmittelbar nach einer Verletzung. Der Körper reagiert auf das Trauma, indem sich Blutgefäße erweitern und ihre Durchlässigkeit erhöhen. Dadurch sammelt sich Flüssigkeit im Gewebe, das sogenannte Exsudat. Diese Flüssigkeit enthält wichtige Nährstoffe, Immunzellen und Wachstumsfaktoren, die für die Heilung notwendig sind. Typische Begleiterscheinungen sind Schwellung und Rötung.
2. Resorptive Phase
In dieser Phase baut der Körper abgestorbenes Gewebe und Zelltrümmer ab. Makrophagen und andere Immunzellen spielen dabei eine entscheidende Rolle, indem sie diese unerwünschten Bestandteile aufnehmen und entfernen. So entsteht die Grundlage für die anschließende Gewebereparatur.
3. Proliferationsphase
In dieser Phase findet die eigentliche Gewebereparatur statt. Fibroblasten – Zellen, die für die Bildung von Bindegewebe verantwortlich sind – vermehren sich und produzieren Kollagen sowie weitere Bestandteile der extrazellulären Matrix. Gleichzeitig entstehen neue Blutgefäße (Angiogenese), und die Wunde beginnt sich zu schließen. Diese Phase kann mehrere Tage bis Wochen dauern, abhängig von der Schwere der Verletzung.
4. Reabsorptionsphase
In dieser letzten Phase wird das neu gebildete Gewebe stabilisiert. Überschüssige Zellen, die während der Proliferationsphase entstanden sind, werden abgebaut. Der Körper passt Struktur und Funktion des Gewebes an, um sicherzustellen, dass es optimal funktioniert. Dieser Prozess kann sich über mehrere Monate erstrecken.
Welche Formen der Wundheilung gibt es?
Grundsätzlich unterscheidet man verschiedene Formen der Wundheilung. Am häufigsten treten die primäre und die sekundäre Wundheilung auf.
Primäre Wundheilung
Diese tritt auf, wenn die Wundränder direkt aufeinanderliegen. Das passiert oft bei sauberen, chirurgischen Schnitten oder kleinen Verletzungen, die gut genäht oder geklebt werden. Da die Wunde gut verschlossen ist, kann der Körper schneller heilen.
Sekundäre Wundheilung
Diese geschieht, wenn die Wunde nicht direkt verschlossen werden kann – z. B. bei größeren, tiefen oder infizierten Wunden. Hier müssen die Wundränder weiter auseinanderliegen, und der Heilungsprozess dauert länger. Der Körper muss mehr Gewebe regenerieren, was zu einer dickeren Narbe führen kann. Die Phasen der sekundären Wundheilung sind ähnlich, aber der Prozess kann länger dauern und mehr Komplikationen mit sich bringen.
Welche Besonderheiten weisen Narben auf?
Die Besonderheit von Narben liegt in ihrer Gewebestruktur. Narbengewebe besitzt nicht dieselbe Elastizität wie das ursprüngliche Hautgewebe. Deshalb ist es sinnvoll, mechanische Reize zu setzen:
Die zunächst parallel ausgerichteten Kollagenfasern können sich nur durch gezielte Stimulation neu organisieren und verzweigte Strukturen bilden, die sich an Hauptbelastungsrichtungen des Gewebes anpassen.
Dafür eignen sich zum Beispiel:
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Physiotherapie
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Kinesiotaping
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Dehnungen wie Yoga
Über den Autor:
Colin Fischer ist Physiotherapeut mit besonderer Expertise in postoperativer Rehabilitation und funktioneller Narbentherapie. Er begleitet Menschen auf ihrem Weg zurück in ein bewegliches, schmerzfreies Leben – mit fachlicher Präzision, therapeutischem Know-how und einem wachen Blick für den ganzen Menschen. Folge Colin auf Instagram @colinfischer.physio
